Kein Mitverschulden, wenn der Radfahrer ohne Helm in ein Unfall gerät

Das OLG Nürnberg hat insoweit folgenden Fall zu entscheiden:

Bei der Kollision zwischen einem Auto und einer Fahrradfahrerin, den der Fahrer des Pkw verschuldete, kam es zu schweren Verletzungen der Radfahrerin.

Der Unfall ereignete sich dadurch, dass der Autofahrer rechts abbiegen wollte und dabei die Radfahrerin aus Unachtsamkeit übersah und folglich mit dieser kollidierte. Bei der Geschädigten handelte es sich um eine 27-jährige Frau, die keinen Helm trug und sich daher bei dem Sturz auf den Boden, schwer am Kopf verletzte. Die ärztliche Behandlung im Krankenhaus dauerte eine Woche.

Ferner verlor die Geschädigte ihren Geruchssinn und war vier Wochen arbeitsunfähig.

 

Das Oberlandesgericht ging davon aus, dass allein das bloße Verletzungsrisiko beim Fahrradfahren ohne Helm und das Bewusstsein dieses Risikos, allein noch kein verkehrswidriges Verhalten begründen.

 

Grundlage waren hier regelmäßige Verkehrszählungen im Nürnberger Stadtgebiet, wodurch bestätigt wurde, dass es kein allgemeines Verkehrsbewusstsein zum Tragen eines Helms beim Fahrradfahrerin gebe, da nur 21 % der Fahrradfahrer einen Helm innerorts getragen hätten damit die überwiegende Mehrheit ohne Helm fährt.

 

Allerdings wies das Gericht darauf hin, dass es möglicherweise gerechtfertigt sei, höhere Anforderungen anderen Radfahrer und Mountainbiker zu stellen.

 

Dies vor dem Hintergrund, dass diese spezielle Form des sportlichen Radfahrens mit einem in erheblicher Weise gesteigerten Verletzungsrisiko für den Kopf verbunden ist.

 

Im zu entscheidenden Fall hielt das Gericht dann ein Schmerzensgeldanspruch in Höhe von 20.000 € für angemessen.

 

OLG Nürnberg, Urteil v. 28.08.2020, 13 U 1187/20

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