Pflichten des Nachlasspflegers im Umgang mit Aktiendepots angesichts der Corona-Krise

Im Rahmen einer Nachlasspflegschaft besteht keine generelle Pflicht zur Umschichtung von nicht mündelsicheren Kapitalanlagen.

Der Nachlasspfleger hat vielmehr im Einzelfall unter Würdigung aller Vermögenspositionen im Rahmen pflichtgemäßen Ermessens zu entscheiden, inwieweit im Hinblick auf die nach Kapitalanlagekriterien zu ermittelnden Risiken eine Fortführung des Aktieninvestments vertretbar erscheint (im An-schluss an OLG Düsseldorf, Beschluss vom 21.02.2019 - I-3 Wx 8/19 -; OLG Hamm, Beschluss vom 07.04.2017 - 15 W 136/17).

 

Aus dem Regelungsgehalt des § 1960 BGB folg jedenfalls, dass die Sicherung des Nachlasses Vorrang hat vor seiner Vermehrung.

 

Insoweit sind vielmehr der Gesamtbestand und die Gesamtzusammensetzung des Nachlasses zu berücksichtigen. Auch eine risikobehaftete Anlageform muss keineswegs per se abgestoßen werden, wenn das bestehende Risiko im Hinblick auf den Nachlass im Übrigen und bei wirtschaftlicher Betrachtung vertretbar erscheint.

 

Auch die aktuellen Verwerfungen auf dem Kapitalmarkt wegen der Corona-Krise geben keinen Anlass, das Depot insgesamt aufzulösen.

 

Angesichts dieser Entscheidung dürfte für den Nachlasspfleger ein weit reichender Ermessenspielraum bestehen, wie er angesichts der aktuellen Krise mit den Wertverlusten bzw. Schwankungen am Aktienmarkt umgeht.

 

OLG Braunschweig, Beschluss vom 20.04.2020, 3 W 37/20

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