Wie lange hat ein versicherter Anspruch auf Tagegeld?

Die private Unfallversicherung gleicht im Versicherungsfall Einkommensverluste aus, die aufgrund eines Unfalls entstehen. Maßgeblich für die Bezugsdauer von Tagegeld ist dabei die Dauer der ärztlichen Behandlung.

Wann diese nun genau endet, wurde jetzt durch den Bundesgerichtshof entschieden.

 

Das Tagegeld wird für die Dauer der ärztlichen Behandlung, längstens für ein Jahr, vom Unfalltag an gerechnet, gezahlt.

 

Insoweit vertrat der Versicherer die Ansicht, dass in den maßgeblichen Bedingungen (Ziffer 2.5.2 AUB 2008 ) zum Ausdruck komme, dass weder die Behandlung durch Physiotherapeuten noch durch Heilpraktiker oder Masseure unter diesen Behandlungsbegriff fielen. Treffe der Arzt die Aussage, dass die versicherte Person wegen der unfallbedingten Verletzung nicht wiederkommen müsse, so werde diese aus der ärztlichen Verantwortung und Fürsorge entlassen. Maßgeblich für den zeitlichen Rahmen des Tagegeldanspruches sei daher der letzte Arzttermin, auch wenn der Arzt im Anschluss noch weitere Therapiemaßnahmen (hier zehnmalige Krankengymnastik) anordnet.

 

Dieser Sichtweise erteilte der Bundesgerichtshof eine Absage.

 

Nach Ansicht der Richter endet die nach Ziffer 2.5 AUB 2008 für den Anspruch auf Tagegeld maßgebliche ärztliche Behandlung nicht stets mit der letzten Vorstellung beim Arzt, sondern vielmehr für die gesamte Dauer der ärztlich angeordneten Behandlungsmaßnahmen. Die Behandlung kann dabei Therapiemaßnahmen wie Medikamenteneinnahme oder Krankengymnastik umfassen.

 

BGH, Urteil v. 4.11.2020, IV ZR 19/19

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